Led by Sheep, 4 Pitches

Gestern sind wir eine der Klassik-Mehrseillängenrouten im Zion Nationalpark geklettert. Der Name der Route kommt aus der Story zur Erstbegehung: als zwei Kumpels den Schafen bzw. Steinböcken hinterherliefen und so die Route entstand. Dank guten Infos auf mountainproject haben wir den Parkplatz und Zustieg ziemlich gut und direkt gefunden, was aus unseren Erfahrungen aus den Red Rocks ja keine Selbstverständlichkeit ist.

Nach kurzem Durchwandern eines kleinen Canyons geht es über schier endlose Platten in einer sehr surrealen Landschaft in Richtung des Routeneinstiegs. Die Plattenkletterei zum Einstieg war eigentlich sehr einfach, aber doch etwas versandet und dadurch leicht rutschig. Von den Steinböcken und Schafen fehlte bisher allerdings jede Spur. Wir sind daher immer brav den Spuren unserer Vorkletterer hinterher und waren nach einer knappen Stunde beim Einstieg der Route angelangt.

Uns erwarteten vier Seillängen und eine Gesamtlänge von ca. 280m. Alles in ziemlich einfachen Terrain aber mit relativ weiten Hakenabständen. Die Route ist als Trad-Route gelistet. Also „traditional“ mit eigenen Sicherungsmittel abzusichern, was so aber nicht mehr korrekt ist. Es gibt inzwischen in jeder Seillänge genügend Bohrhaken und eigentlich keine Möglichkeiten selbst Klemmgeräte oder Klemmkeile zu legen. Die ganzen Infos hatten wir aber auch schon vorher, von daher wussten wir, was uns erwartete.

Da die Sandsteinplatten ziemlich abschüssig waren, haben wir direkt beim losklettern unten einen kleinen Stand gebaut, damit Carmen unten sicher stehen kann. Die erste Seillänge war mit knapp 50m direkt die längste. Die vier Bohrhaken die darüber verteilt waren, waren alle bombenfest und sicher und auch der Standplatz war vorbildlich. Die Kletterei war nicht sehr schwer, sondern erforderte lediglich etwas Moral, da die letzten 15 Meter bis zum Stand keine Haken mehr kamen.

Es war die erste Route, die wir mit Doppelseilen geklettert sind, weshalb das ganze Seilhandling viel länger dauerte als sonst. Wir hatten 2x 60m Seile dabei (Gruß und Dank nochmal nach München) um beim Abseilen auch wirklich über die volle Distanz bis zum jeweils nächsten Standplatz abseilen zu können. Mit einem 60m Seil hätten wir ja nur 30m abseilen können und dann hätten wir bereit in der ersten Seillänge ein Problem gehabt.

Die zweite Seillänge ging ebenso flüssig wie die erste und Aron hat beim Nachsichern von Carmen das Seil sauber in Schleifen aufgelegt, was dann die dritte Seillänge wiederrum viel einfacher zum Seilausgeben und Sichern für Carmen machte. Am Ende der dritten Seillänge war die Schlüsselstelle der gesamten Route, an der man einen leichten Vorsprung überqueren musste. Die Stelle war mit 5.7 angegeben, also auch easy machbar für uns ? Vor allem für Aron, der ruhig und kontrolliert bisher alle Mehrseillängen vorgestiegen ist.

Die letzte und kürzeste Seillänge mit zwei Bohrhaken und 20m war dann auch schnell geklettert. Allerdings musste man hier extrem vorsichtig sein um keine Steine loszutreten, die nach unten fallen können. Auch oben am Gipfel lagen sehr viel Geröll und lose Steine herum, daher war Vorsicht angesagt.

Wir haben unten noch gesehen, dass nach uns noch eine Seilschaft in die Wand gestiegen ist. Da wir uns ziemlich sicher waren beim Abseilen bzw. Seil abziehen ein paar kleine Steine mit runterzuholen, entschieden wir uns dann am Gipfel auf die anderen zu warten. Dies hat auch den Vorteil nicht mit vielen Leute an einem Standplatz gleichzeitig zu stehen und dann etwas Chaos zu haben beim Seilumfädeln usw. Leider war die andere Gruppe um einiges langsamer als erwartet, weshalb wir fast eineinhalb Stunden am Gipfel in der Sonne warteten, was in Anbetracht des tollen Panoramas aber angenehm war.

Beim Abseilen hat sich das Warten ausgezahlt, da wir trotz vorsichtigstem Seilabziehen ein paar Steine gelöst haben. Das weitere Abseilen über die langen Distanzen war allerdings grauenhaft. Das Seil hat sich die ganze Zeit komplett verheddert und Aron hat geflucht wie ein Rohrspatz. Nach einer dreiviertel Stunde waren wir aber wieder sicher am Wandfuß angekommen und machten uns auf den Weg zurück zum Auto.

Und siehe da, in der Nachmittagssonne entdeckten wir 500m vor uns ein Rudel Steinböcke und Ziegen. Also alles gesehen, was die Route so versprochen hatte 🙂 Was nämlich auch in der Beschreibung stand, war, dass der Abstieg etwas schwierig sein kann. Diese relativ glatten Sandsteinplatten kommt man zwar prima hoch, aber relativ beschwerlich wieder runter. Der Abstieg hat uns dann nochmal eine knappe Stunde gekostet und wir sind große Teile eher weniger elegant – aber sicher – auf dem Hinterteil runtergerutscht.

Aber lieber bisschen doof aussehen, als sich die Knochen brechen, oder?

2 Gedanken zu „Led by Sheep, 4 Pitches

  1. Uwe Huber sagt:

    hey leute,
    ich verfolge täglich eueren blog. wirklich ein geiler trip den ihr da macht.
    ich hoffe ihr notiert euch auch die campingplätze und ihr könnt uns tipps dazu geben, falls wir nächstes jahr im westen unterwegs sind 🙂
    in diesem sinne. macht weiter so.
    grüsse aus augsburg

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