Red Rock Canyon – Climbing Time

Morgens in Vegas waren wir schon ziemlich heiß darauf, das erste Mal richtig in den USA klettern zu gehen, daher sind wir relativ früh voller Enthusiasmus gestartet. Dieser wurde dann kurzzeitig von einem trockenen „klack, klack, klack“ ohne „brumm, brumm, brumm“ auf dem Casino-Parkplatz unterbrochen. Batterie leer .. was eigentlich nicht sein konnte, da wir nicht anders gemacht hatten als die letzten Abende. Also keine Elektrogeräte vergessen oder ähnliches. Naja, also haben wir uns auf dem Riesenparkplatz durchgefragt, ob jemand Starterkabel dabeihat. Fehlanzeige. Selbst die Feuerwehr, die einen halben Block nebenan eine Übung gemacht hat, hatte keine dabei. Wir waren schon kurz davor den AAA (USA-ADAC) anzurufen, als Carmen doch noch den einzigen richtigen Mann auf dem Parkplatz gefunden hat (außer mir natürlich), der in seinem riesen Truck glücklicherweise Jumper-Cables hatte und wir so die Eule wieder zum Laufen bekamen. Wir haben dann bei unserer Vermietung angerufen und mitbekommen, dass die eine Niederlassung in Vegas haben, sind dann dort kurz hin und wurden direkt zum Mechaniker weitergeschickt, der uns kurzerhand eine neue Batterie eingebaut hatte, da nach fast 90.000 Meilen immer noch die erste Batterie drin war. Das Ganze hat selbstverständlich nichts gekostet und war dann eigentlich total problemlos. Also … nun aber wirklich ab in den Red Rock Canyon.

Auf dem Weg waren wir noch schnell bei Walmart. Was heißt, dass man in ca. 20 Minuten alle Sachen zusammen hat und dann ne Stunde an der Kasse warten muss. Das ist wirklich unglaublich. Es gibt dort 30 Kassen, davon sind dann drei besetzt und da arbeiten dann die langsamsten Leute des gesamten Bundesstaates. Carmen hat sich mit amerikanischen Illustrierten von dem Elend abgelenkt, ich musste da doch etwas stärker sein und mich mehrfach daran erinnern, dass wir ja im Urlaub sind.

Naja. Eigentlich wollten wir dann direkt klettern gehen und abends einen Canyon weiterfahren, da wir im Internet gesehen haben, dass man dort kostenlos Campen kann. Nachdem uns dann aber im Walmart direkt mal zwei Rednecks mit Pistole am Holster entgegengekommen sind – in Nevada darf man wohl auch als Privatmensch seine Wumme offen tragen –  änderten wir unseren Plan und steuerten den offiziellen Campingplatz des Parks an. Dort kostet die Nacht zwar 15$, aber man ist da nicht komplett allein in der Wildnis. Eigentlich gingen wir davon aus, dass es kein Problem werden sollte einen freien Platz zu bekommen, da es ja Montag unter der Woche war .. von wegen. Kompletter Campingplatz voll. Super. Nach einigen Runden, die wir nach einem freien Plätzchen suchend gedreht haben, fanden wir drei andere Kletterer. Mit diesen konnten wir einen Platz teilen, da die drei nur gezeltet haben und die Plätze groß genug für zwei Autos waren. Glück gehabt. Den Tag haben wir dann nur gechillt, aufgeräumt, Kehrwoche in der Eule gemacht, Kletterzeug und Seile für morgen vorbereitet und dann noch was Leckeres gekocht.

Am nächsten Tag ging es dann endlich Klettern. Wir hatten einen frühen Start was sehr gut war, da im Canyon Park gerade noch Baustelle ist und einige Parkplätze geschlossen sind. Wir hatten dann aber Glück und haben noch einen Spot bekommen und sind dann direkt ab in die Felsen. Wie gesagt navigieren wir eigentlich nur mit mehr schlechten als rechten Offline-Karten auf dem Handy rum, da wir uns nicht für jedes Klettergebiet einen Führer kaufen wollen (da jedes Mal ca. 30-40$) .. prompt haben wir uns komplett auf dem Zustieg zu unserem Gebiet verstiegen und eine gute Stunde gebraucht, was eigentlich in 15 Minuten hätte klappen sollen. Der Weg war dafür dann sehr pittoresk und wir waren in einem sehr hoch gelegenen Gebiet mit super Aussicht über den gesamten Park.

Dann ging es auch schon los mit dem Sandstein-Klettern. Wirklich ganz anders, als alles was wir bisher geklettert sind. Super griffig, nicht so übel für die Hände, aber gleichzeitig klingt der Stein auch die ganze Zeit irgendwie hohl und man hat am Anfang das Gefühl, dass jeder Griff oder Tritt den man nimmt irgendwie gleich ausbrechen würde. War dann aber alles schlussendlich sehr stabil. Wir haben dann eine 5.7 und eine 5.8 gemacht, was bei uns eine 5+ und eine 6- ist – gar nicht so schlecht für den Anfang.

Interessant war, dass die Route ca. 25m hoch war und nur 3 Haken hatte. Der letzte knapp über der Mitte, so dass man zwar nie die Gefahr hatte bei einem Sturz bis zum Boden zu fallen. Aber es war dann doch recht spannend, bis man oben am Umlenker war. Die Route haben wir dann ein paar Mal gemacht, sind dann wieder abgestiegen (was wieder länger als geplant gedauert hatte) und haben noch einigen Profis zugeschaut. Der Park ist quasi eine 12 Meilen lange, sehr pittoreske Einbahnstraße mit mehreren Parkplätzen und Aussichtspunkten. Wir sind einen Parkplatz weitergefahren und haben uns noch eine Mehrseillängen-Route angeschaut, die ein richtiger Klassiker in diesem Gebiet ist. Diese sah auch sehr vielversprechend aus und unser Plan für den nächsten Morgen war damit fix. Danach ging es zurück ins Camp, da wir beide noch sehr vorsichtig sind was Überbelastungen angeht. Schließlich haben wir beide vor dem Trip in Deutschland nicht so viel trainiert wie gewollt. Um unsere Bänder und Sehnen zu schonen sind wir jetzt am Anfang mit 3x die Woche klettern ganz gut dabei.

Am nächsten Tag sind wir wieder relativ früh los, da unsere Route sehr frequentiert ist und wir keine Lust hatten zu warten. Wir waren dann auch tatsächlich die Ersten und konnten in Ruhe starten.

Mehrseillänge / Multi-Pitch:

Eine normale Sportkletterroute ist in der Regel ca. 15-30m Lang. Man hat ein Seil und dieses reicht zum Hochsteigen und Ablassen. Diese Route klettert man somit bis zum Umlenker und lässt sich von dort wieder ab. Dabei spricht an dann von einer Seillänge. Die Route die wir nun geklettert sind, war ca. 60m hoch. Das heißt unser 60 Meter-Seil reicht nur bis zur Hälfte, wenn man sich irgendwie wieder ablassen will. Deshalb spricht man bei solchen Routen von Mehrseillängen-Routen bzw. auf englisch Multi-Pitch. Dort ist dann nach jeder Seillänge ein Standplatz. Das sind sehr solide gebohrte bzw. geklebte Haken bei denen man sich in einer guten Position zwischensichern kann und der Vorsteiger den Nachsteiger nachholen kann (siehe Kreise auf dem Bild).

Von dieser Position klettert man dann die nächste Seillänge usw. bis zum Ende der Route. Der Nachsteiger nimmt dabei sämtliche Zwischensicherungen wieder mit, die der Vorsteiger in die Wand eingehängt hat. Er ist dabei permanent von oben aus dem Standplatz gesichert. Entweder kann man dann vom Ende der Route den Berg normal runterlaufen (z.B. die Rückseite) oder man seilt sich wieder ab. Dabei seilt man dann wieder von Standplatz zu Standplatz bis man wieder ganz unten ist. Damit man sein Seil auch wieder aus der Wand bekommt, zieht man es am oberen Standplatz bis zur Mitte, verknotet die Enden und wirft es den Berg runter. So seilt man dann über die halbe Länge des Seiles (also bei unserem 60m Seil, dann 30m ab), macht den Knoten auf, zieht das Seil ab und wiederholt das bis zum Boden. Für den Fall, dass eine Seillänge mal mehr als 30m hat und wir uns dann nicht mit unserem 60m Seil abseilen könnten, haben wir auch noch zwei Halbseile mit jeweils 60m. Da kann man dann beim abseilen zwei komplette Seile zusammenbinden und über die vollen 60m abseilen. Zum Glück sind die Routeninfos im Internet mittlerweile alle super, sodass es in der Wand keine bösen Überraschungen geben kann.

Unsere Route: „Mans Best Friend (5.7, 2 Seillängen) ging gemütlich los, bis man um eine Ecke kurz ausgesetzt eine kleine Platte hochklettern muss. Das Ganze war aber wirklich top abgesichert, alle 1-2m eine Zwischensicherung und super griffig. Der erste Stand war sehr bequem und man konnte gut stehen und das Seil sauber organisieren. Carmen konnte auch sauber nachsteigen und wir hatten die erste Seillänge schnell in der Tasche. In der zweiten Seillänge waren die Hakenabstände noch geringer, d.h. noch mehr Haken und besser abgesichert, sodass ich gar nicht genügend Exen dabei hatte und zwischenzeitlich nochmal ein paar Meter abklettern musste und weiter unten Zwischensicherungen entfernt habe und sie oben wieder eingehängt. Vom Ende der Route konnten wir noch eine grandiose Aussicht genießen, bevor wir uns wieder zum Boden abgeseilt haben, wo dann schon die nächsten drei Seilschaften warteten. Wir haben also mal wieder alles richtig gemacht 🙂 Nach einer kurzen Pause sind wir dann noch in ein anderes Gebiet gefahren, wo ich dann noch eine 5.8+ (6-/6) gemacht habe, die Carmen wieder solide nachgestiegen ist. Danach ging es wieder ab ins Camp und abends saßen wir noch mit unseren Zeltplatz-Nachbarn aus Seattle und Taipeh am Feuer.

Gestern waren wir dann nochmal in der Nähe unserer Mehrseillänge vom Vortag unterwegs, haben dann aber unseren Sektor einfach nicht gefunden. In den engen Canyons ist es so unübersichtlich und wir hatten irgendwann dann keine Lust wieder stundenlang durch die Gegend zu kraxeln ohne zu wissen ob wir richtig sind. Daher sind wir dann doch in einen anderen Sektor: der Wake-Up-Wall. Dort haben wir dann eine schöne 5.8 (6-) im Schatten gefunden, die wir ein paar Mal gemacht haben um etwas Ausdauer aufzubauen. Carmen hat die Route einige Male im Top-Rope ausgecheckt und ist sie dann schlussendlich sehr sicher im Vorstieg geklettert und war dann voller Freude und Emotion beim Ablassen. Ein sehr cooler Tag. Abends waren wir dann wieder relativ früh im Nest, da die vielen Kletterrunden an der Route uns wirklich platt gemacht hatten. Auf der neuen Seite Ticklist findet ihr eine kleine Übersicht der coolen und nennenswerten Routen und Boulder die wir so gemacht haben und noch machen werden.

Heute hatten wir wieder einen schönen frühen Start. Nach einer netten Verabschiedung von unseren Camp-Nachbarn sind wir von den Red Rocks aufgebrochen. Gleich geht es noch „kurz“ in den Walmart in Vegas (wir planen dafür mal 2 Stunden ein) um unsere Vorräte aufzufüllen, bevor es über den Hoover Dam in Richtung Grand Canyon geht. Dort werden wir morgen vorbeischauen und ggf. nochmal eine Nacht bleiben, falls wir dort eine kleine Wanderung machen. Weiter geht’s dann Richtung Zion Nationalpark, wo auch wieder gewandert und geklettert wird. Yes.

Vielleicht noch eine Anmerkung an die Leser zuhause. Bei den Fotos von den Wänden sieht es immer viel steiler aus, als es wirklich ist. Je nachdem wie Schatten, Winkel und Perspektive zusammenspielen, sieht eine Kletterroute teilweise viel, viel wilder aus, als sie tatsächlich ist. Ich werde die Tage vielleicht mal einen kleinen Artikel zum Thema Klettertechnik, Kräfte und Risiken schreiben 🙂 

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