Technik: Sichern mit Gewichtsunterschied – Edelrid Ohm

Anstatt eines Reiseberichts gibt es heute mal etwas über die Technik beim Klettern zu lesen. Wie viele Kletterpärchen haben wir beim Sichern das Problem mit dem Gewichtunterschied. Abgesehen davon, dass es natürlich am besten ist, wenn Kletterer und Sichernder annähernd das Gleiche wiegen gibt es vom DAV die Hausnummern, dass der Kletterer maximal 10% mehr wiegen sollte als der Sichernde. Das absolute Limit wird mit ca. 30% angegeben. Das wären bei den 60kg von Carmen, dann maximal 80kg bei Aron. Die Realität (Waage) sagt hier aber gute 90 kg, womit wir dann bei schon bei 50% mehr wären 🙁

Daher müssen wir ein paar Dinge beachten um bei einem möglichen Sturz die Krafteinwirkung auf den Sicherer zu reduzieren, damit es nicht so aussieht wie hier (ab 00:22). Die Gefahr ist natürlich auch, dass der Sicherer gegen die Wand gezogen / geklatscht wird oder das Bremsseil losgelassen wird – daher benutzen wir z.B. Auto-Tuber, die automatisch bei einem Sturz blockieren.

Weekend Whipper Belayer Rocket from Rock & Ice on Vimeo.

Bis vor kurzem haben wir die sogenannte Z-Sicherung verwendet. Dabei wird die unterste Zwischensicherung in der Nachbarroute eingehängt, bevor man die unterste Sicherung in der eigenen Route eingehängt. Dadurch steigt die Seilreibung extrem, da man das Seil 2x fast um 90 Grad umlenkt. Das hat bisher immer gut funktioniert und kostet im Endeffekt nichts, außer eine zusätzliche Exe. Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass die Seilreibung am Ende der Route extrem hoch ist. Vor allem, wenn man die Z-Sicherung draußen und nicht in der Halle anwendet, wo das Seil zusätzlich noch am Fels reibt. Außerdem funktioniert diese Methode nur dann, wenn wirklich direkt daneben eine weitere Route mit Haken ist, was draußen nicht immer der Fall ist.

In Mehrseillängenrouten ist die Z-Sicherung eigentlich nicht möglich, da es eigentlich nie eine Nachbarroute gibt, die so nah an der eigenen Route läuft. Eine Alternative in Mehrseillängenrouten wäre hier noch das Sichern vom Fixpunkt. Kurzgesagt, das „Gegengewicht“ beim Klettern ist nicht der Sicherer, sondern das Sicherungsgerät wird direkt an einen Felshaken gesetzt. Beim Sturz wird die Fallenergie dann direkt vom Felshaken aufgenommen. Hier ein Video, wie sowas in Aktion aussieht.

Seit Anfang 2017 gibt es eine weitere Lösung auf dem Markt. Und zwar das „Ohm“ von Edelrid. Wie der Elektrotechniker schon vom Namen ableitet, handelt es sich hierbei um einen Widerstand, den man in seine Sicherung „schalten“ kann. In der Praxis sieht das so aus, dass der Sicherer ganz normal sichert und der Kletterer das Ohm in die erste Zwischensicherung einhängt. Bei einem Sturz (und auch beim Ablassen) nimmt das Ohm einen Großteil der Energie auf und leitet es in den ersten Haken. Dadurch kommt viel weniger Energie wirklich beim Sicherer an und dieser kann dadurch viel sicherer sichern, ohne Gefahr und Angst bei einem Sturz die Rakete zu machen.

Das Kletterseil wird vor dem Einstieg in die Route ins Ohm eingelegt und bis zur ersten Zwischensicherung am Gurt befestigt (wie eine normale Exe auch) und dann dort eingehängt. Davor sollte man natürlich nicht stürzen, aber diese Regel gilt immer egal welcher Gewichtsunterschied zwischen den Kletterpartnern besteht. Ab der ersten Zwischensicherung läuft das Seil dann durch das Ohm und der Widerstand ist „eingeschaltet“. Interessant für den Kletterer ist natürlich, ob es dadurch zu mehr Seilreibung im Vorstieg kommt und ob man das spürbar merkt. Die Antwort hier ist: fast nicht. Wir waren wirklich sehr überrascht wie gut das Seil beim Vorstieg nach oben „flutscht“ und sich das Ohm erst bei einem Sturz oder beim Ablassen bemerkbar macht.

Die Funktionsweise kurz beschrieben: Das Seil läuft über eine leicht angewinkelte Kontur bzw. Schikane im Ohm bei wenig oder kontrolliertem Seilzug einfach vorbei. Hierzu muss das Ohm immer lose nach unten hängen. Bei einem ruckartigen Zug bzw. bei starker Belastung wird das Ohm hochgezogen. Das Seil muss dann unter Zug um die angewinkelte Kontur, die jetzt gegenläufig zur Seilrichtung liegt. Dadurch kommt der eigentliche Widerstand zustande und ein Großteil der Energie wird aufgenommen, siehe Bilder:

Damit das Ohm also im normalen Modus nicht zu viel Widerstand erzeugt, sollte es immer „lose“ nach unten hängen. Wenn der Vorsteiger mal zur ruckartig am Seil von oben gezogen hat und das Ohm somit in „Aktivstellung“ gebracht, kann der Sicherer von unten durch herumschlenkern am Seil das Ohm wieder in die „Lauerstellung“ bringen.

Fazit:  Wir sind mit dem Ohm sehr zufrieden. In der Halle konnten wir es leider nicht mehr testen, den Test draußen hat es allerdings gut bestanden. Der Preis verursacht bei einem Schwaben mit 110€ kurz Schnappatmung. Allerdings ist es ja eine Investition in die eigene Sicherheit, von daher kann man damit gut leben (na, wer findet das Wortspiel). Wir haben das Ohm sowohl bei einfachen Sportrouten verwendet als auch bei Mehrseillängen und es hat immer gut funktioniert. Es ist sehr robust gebaut und verfügt im Prinzip über keine bewegten Teile, weshalb ich von einer langen Lebenszeit ausgehe, was den Preis dann zudem noch wieder etwas relativiert.

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