Into the Wild – Yellowstone und Glacier NP

Obwohl wir bei unserer Routenplanung eher “in den Tag hinein leben“, funktioniert diese meistens wie durch Wunderhand so gut, dass wir immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind. So z.B. am 31. März (Carmens Geburtstag), an dem wir gegen Mittag im Yellowstone National Park ankamen. Der Park gehört zu den Superlativen der US-National Parks: einer der größten, ältesten und mit dem meisten „Promi-Wildlife“ (Grizzly-Bären, Wölfe, Elche … und so). Zudem einzigartige Natur: Schwefelquellen, Wasserfälle, dampfendes Moor…

Aufgrund der Wintersaison war der Park nur teilweise zugänglich und die meisten Straßen noch gesperrt. Am Visitor Center informierten wir uns zusätzlich noch was wir bzgl. der Bären bei Wanderungen beachten müssen, da es im Yellowstone Grizzly- und Schwarzbären gibt. Die Rangerin sagte uns, dass bislang erst ca. fünf Prozent der Bären im Park aus ihrem Winterschlaf aufgewacht sind. Trotzdem wird „Bear-Spray“ empfohlen. Das ist eine Art megastarkes Pfefferspray, das bei einer Bären-Attacke als letzte Maßnahme zur Abwehr verwendet wird (nach Arons Kung-Fu-Künsten). Dazu ist anzumerken, dass Bären grundsätzlich den Kontakt mit Menschen scheuen und damit die Wahrscheinlichkeit einem Bären beim Wandern in unmittelbarer Nähe zu begegnen sehr gering ist. Umso wichtiger aber, dass man sich bemerkbar macht und beim „Hiken durchs Backcountry“ (also Wandern auf unbefestigten Pfaden) viel und laut spricht und sonstige Geräusche macht. Wie anstrengen das bei einer 2-3 stündigen Wanderung sein kann, konnten wir am nächsten Tag erleben.

Tag 1 im Yellowstone verbrachten wir nicht auf Bärensuche, sondern mit der Besichtigung der Mammoth-Springs (Schwefelquellen), einer super Kaffee-und-Kuchen-Pause, einer Wildlife-Watching-Fahrt durch den Park (bei der uns prompt eine Herde Bisons und ein Kojote begegnete) und einem tollem Abend in der Yellowstone Inn Lodge. Diese Lodge hatte Aron ausgesucht und sie war bisher eindeutig die schönste Unterkunft auf unserer Reise. Und die Originellste – wo wird man sonst von drei Elchen in der Einfahrt begrüßt? Also definitiv zu empfehlen, falls jemand mal hier herkommt.

Am zweiten Tag ging es dann auf zum Wandern. Die erste Tour, die wir uns ausgesucht hatten, konnten wir leider nicht machen, da der Weg aufgrund aktuell erhöhter Bärenaktivität gesperrt war. Da man vom Startpunkt des Trails schon die Geier, Krähen und Adler hören konnte, wurde dort vermutlich ein Bison-Kadaver oder ähnliches gesichtet. Die Kadaver sind bei den Bären nach dem Winterschlaf hoch im Kurs, da der Jagdaufwand minimal ist. Daher sollte man als Wanderer aber eher einen Bogen darum machen. Also wanderten wir dann zum Lost Lake und waren nach kurzer Zeit schon ziemlich aus der Puste, da wir uns sehr laut unterhielten (man könnte auch sagen anschrien) um die Bären vorzuwarnen. Das hat ziemlich gut funktioniert: kein Bär auf weiter Flur. Fast schon schade, irgendwie ist man ja doch neugierig 😉 Die Wanderung war aber super schön und man hat wirklich gemerkt, dass noch nicht viel Betrieb im Park ist, da uns in den zwei Stunden nur eine Gruppe anderer Wanderer entgegen gekommen ist.

Kurze Zeit später haben wir dann aber doch noch ein Gefühl dafür bekommen, dass es tatsächlich nicht schadet, keinem (Grizzly-)Bär über den Weg zu laufen und diesen womöglich aggressiv zu machen. Ein sehr netter Wildlife-Experte hat uns durch sein Super-Super-Fernglas schauen lassen, wodurch man eine Grizzly-Mutter mit ihrem Jungen in weiter Ferne zu sehen war. Trotz der Ferne sah sie einfach riesig aus – und faszinierend. Aus nächster Nähe könnte sowas aber schnell ins Auge gehen, denn was einen Bären noch wilder macht, als wenn jemand seinen Kadaver stibitzen will, ist wenn man den Jungen zu Nahe kommt.

Den spannenden Tag im Yellowstone beendeten wir mit einer Nacht auf dem Park-eigenen Campingplatz gemeinsam mit einigen Elchen, die zur Abenddämmerung vorbeischauten. Wichtig fürs Campen: alles Essen wegpacken. Bären haben so feine Näschen, dass sie Essensgerüche (z.B. Curry) aus 20-30 Kilometer Entfernung riechen können – und sie sind Alles-Fresser, neugierig und extrem lernfähig obendrauf. Daher wurde das ganze Essen aus der Eule raus und in den bärensicheren Food-Container gepackt. Nachts ging es selbstverständlich mit Bären-Spray auf die Toilette (sicher ist sicher).

Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns vom Yellowstone und fuhren weiter Richtung Norden. Nächstes Ziel: Glacier National Park an der Grenze zu Kanada. Einen Zwischenstopp zum Übernachten machten wir am Seely Lake mit Kochen im Schnee und Temperaturen um die Null Grad in der Nacht (immer noch gut erträglich beim Schlafen). Am nächsten Morgen ging es weiter und das Wetter hielt einige Überraschungen für uns bereit. Ungefähr im Stundentakt wechselten sich Sonne, Schnee, Hagel und Regen ab und wir waren nicht so ganz sicher ob die Straßenverhältnisse das Richtige für die Eule sind. Letztendlich hat aber alles wunderbar geklappt und wir hatten ein paar wirkliche schöne Stunden im Winter Wonder Land. Richtig viel machen kann man zurzeit im Park allerdings nicht – auch die Bären schlafen hier wohl alle noch und sämtliche Straßen sind nicht passierbar.

Trotzdem war der Weg in den Park ein Erlebnis und die extra Meilen auf jeden Fall wert. Aufgrund der Erderwärmung sagen Experten dem Park 2030 bereits die Namensänderung voraus, bei der dann das Glacier aus dem Namen gestrichen werden kann. Wir haben die Glacier/Gletscher zwar nicht direkt selbst gesehen, aber einen tollen Eindruck von diesem Nationalpark bekommen.

Nach unserer abenteuerlichen und von Wetterwechseln geprägten Fahrt durch Montana geht unsere Reise jetzt wieder weiter in wärmere Gefilde.

Bis bald 😉

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