Legendary Climbing in Smith Rock

Juhuu – wir sind in Smith Rock. Einem der bekanntesten und beliebtesten Klettergebiete der USA mit viel Historie. Hier wurde in den 1960er-80er Jahren das Sportklettern (d.h. Haken sind an der Wand und man muss keine eigenen Sicherungen legen – im Gegensatz zu Trad) in den USA entwickelt und vorangetrieben. Daher gibt es dort einige der legendärsten Kletterrouten und es tummeln sich bis heute noch die großen Kletterer der Welt in diesem Gebiet.

Kurzer Rückblick zur US-Klettergeschichte: Bis in die 60er war das Klettern eigentlich hauptsächlich das kühne Besteigen von hohen Felsen komplett ohne Sicherung, bis zu einer Höhe von ca. 10m. Also eigentlich das was heute unter dem Begriff Bouldern läuft. Oft wurde zu Trainingszwecken damals dann am Ende der Route eine Öse am Fels angebracht an der man dann ein Seil befestigt hat um wieder herunter zu kommen. Als es dann technische Innovationen in Form von mobilen Sicherungsgeräten (z.B. Klemmkeile und Friends) gab, hat sich das eigentliche Klettern weiterentwickelt – das was man heute unter Trad-Klettern versteht. Allerdings war man dort im Schwierigkeitsgrad irgendwann begrenzt, da Kletterer selten an ihr absolutes Limit gehen konnten denn es war immer noch „Reserve-Kraft“ zum Setzen der Sicherungen nötig. Irgendwann wurde dann angefangen Felsen mit Haken zu versehen, um die mobilen Sicherungsgeräte zu ersetzten. Diese Haken wurden in Smith Rock zu Beginn von den Alteingesessenen immer wieder abgeschlagen und zerstört (in vielen anderen Gebieten weltweit war das ähnlich). Begründung: Wer eine Route aufgrund fehlenden Mutes nicht so besteigen kann, wie die anderen Kletterer bisher (ohne feste Absicherungen), sollte es einfach lassen oder besser werden. Die andere Partei war hingegen der Überzeugung, dass man den Klettersport nur weitertreiben könne, in dem man Routen „bohrt“ und so das Rumgefummel mit mobilen Sicherungen ersetzt und sich rein aufs Klettern fokussiert. Hierzu wurde dann von oben über die Route abgeseilt und die Haken an die Wand gebracht und die Route gesäubert (Moos und Dreck entfernt, lose Steine beseitigt usw.) – bisher wurden die Routen vom Boden aus erschlossen. Die ganze Entwicklung war äußerst kontrovers und die Gemüter besänftigen sich (in den USA) erst als die Route „To Bolt or Not to Be“ im Smith Rock gebohrt wurde. Es war eine der ersten Routen vom Schwierigkeitsgrad 5.14 (nach UIAA 10+) und von den Körperbewegungen her so schwer und herausfordernd, dass sie dem Sportklettern den nötigen Respekt und somit die Daseinsberechtigung gab. Seither koexistieren in den meisten Klettergebieten diese beiden Disziplinen, auch wenn es vor allem in den USA noch viele reine Trad-Gebiete gibt. Wie es aussieht, wenn diese Route geklettert wird, kannst Du hier anschauen. Smith Rock hat sich zu einer einem eher Sportkletter-lastigen Gebiet gemausert. Im Laufe der Zeit wurden daher die „alten“ 10m hohen Kletterrouten erweitert und immer höher gestiegen. Um den Mythos der alten Zeiten aber zu erhalten, ist bei den meisten Routen der erste Haken immer noch in luftiger Höhe und für den ortsunkundigen Kletterer eine ordentliche Moralprobe zum Beginn der meisten Routen.

Mit diesem Hintergrund sind wir also sehr ehrfürchtig und mit großer Spannung und Vorfreude nach Smith Rock gefahren. Leider auch mit ziemlich schlechtem Wetter. Daher haben wir uns erstmal nur einen Platz auf dem Campground gesichert und uns einige Infos bei den Rangern des Smith Rock State Parks sowie den Mitarbeitern des Klettershops im Ort geholt. Ohne Klettern gab es dafür dann aber mit einer größeren Reinigungs- und Putzaktion der Eule trotzdem noch genügend Beschäftigung – dazu in einem späteren Blogbeitrag vielleicht mehr, an dieser Stelle soll diese Geschichte nicht vom Smith Rock ablenken 😉

Tags darauf ging es dann an den Fels – gemeinsam mit vielen vielen anderen Klettern, die von überall her übers Wochenende angereist waren. Keine Frage, Smith Rock bietet mehr oder weniger alles was das Kletterherz begehrt und ist sowohl für Anfänger als auch für Profis das reinste Paradies mit über 2000 Routen. Diese sind auf mehrere Sektoren verteilt und liegen in einem traumhaften Panorama mit den Felsen der Smith Rocks selbst, sowie den Bergen und Vulkanen im Umland.

Wir haben uns für den ersten Tag die „Dihedrals“ ausgesucht, ein Sektor mit moderaten Routen. Da Smith Rock wie gesagt dafür bekannt ist, dass der erste Bohrhaken (also der erste Sicherungspunkt auf einer Route) sehr weit oben gesetzt ist und man also ein ganzes Stück „free solo“ klettert, sind wir erstmal nicht an unsere Leistungsgrenzen gegangen sondern haben uns schöne Einstiegsrouten ausgesucht. Den Tag verbrachten wir dann auch im selben Sektor mit unterschiedlichen Routen und netten Gesprächen mit den anderen Klettern. Abends ging es zurück zu Gary, dem lustigen Campinghost, der mit seinem Golfmobil endliche Male an uns vorbeigedüst ist (gefühlt mit 60 kmh) um dem Chaos auf seinem Campingplatz, durch die vielen Wochenend-Gruppen, einigermaßen Herr zu werden.

Für den zweiten Tag in den Smith Rocks hatten wir eine Mehrseillängen-Route in den „Marsupials“  geplant. Obwohl wir relativ früh aufgestanden sind und den etwas längeren Zustieg zügig hinter uns gebracht hatten waren wir leider nicht die ersten am Routeneinstieg. Vor uns war bereits eine Gruppe mit mehreren Klettern am Werk, die etwas chaotisch ihre teilweise noch sehr jungen und unerfahren Teilnehmer den Fels hochschickte. Nach kurzer Überlegung ob wir statt zu warten eine andere Route suchen sollten, haben wir uns fürs Warten entschieden. Was übrigens auch zum Klettern dazu gehört und einem die Möglichkeit gibt noch kurz was zu essen, sich bisschen zu dehnen oder einfach das schöne Panorama zu genießen. Letzteres haben wir trotz eisiger Kälte gemacht. Die Route “Round River” ging die Westseite des „Koala Rock“ hoch und lag damit Vormittags leider noch im Schatten. Da es ansonsten aber traumhaft schönes Wetter war halb so schlimm.

Die ersten zwei Seillängen der Route sind wir problemlos geklettert, aufgrund der Kälte mit etwas tauben Füßen und Händen. Die dritte Seillänge hatte es dann in sich mit einigen anspruchsvolleren Passagen in exponierter Lage. Aron ist die Seillänge mit viel Courage vorgestiegen und war ziemlich schnell oben. Carmen ist hinterher gestiegen und hat sich doch erstmal etwas Mut anschnaufen müssen. Sicher oben angekommen waren wir beide dann ziemlich happy. Auf der Rückseite des Felsens konnten wir uns abseilen und dort – dann in der schönen Sonne – auch noch eine Route klettern. Damit war Tag 2 in den Smith Rocks ein voller Erfolg und wir konnten uns den Luxus einer 2-Dollar Dusche am Parkeingang können. (Und ein gutes Pastaabendessen, natürlich.)

Den dritten Klettertag im Smith Rock verbrachten wir größtenteils an der ziemlich bekannten Morning Glory Wall mit coolen Routen und nochmal bei den Dihedrals. In den Smith Rocks zu klettern und den anderen beim Klettern zu zuschauen war ein tolles Erlebnis für uns. Leider sollte das Wetter für die nächste Woche durchgehend schlecht werden und somit ging es dann am Abend weiter Richtung Süden.

Have a great day! – You, too!

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