Die Pinnacles – Ein Geheimtipp

Ein kleiner südlich von San Francisco gelegener Nationalpark: Die Pinnacles. Anscheinend Geheimtipp für Kletterer und Naturfreunde. Bei unserer Ankunft 33°C Hitze und auf den ersten Blick schön aber wenig spektakulär mit seichten Hängen und einer Landschaft wie im südlichen Europa. Immerhin hat der Campground noch viele freie Plätze und wir können uns selbst ein schönes Plätzchen für die nächsten zwei Nächte suchen. „Auf jeden Fall im Schatten!“ denken wir bei der sengenden Hitze und finden einen freien Platz mit ganz viel Bäumen und Gebüsch.

Nach kurzer Pause und Orientierung stellen wir fest, dass der (sehr kleine) Park einen Ost- und einen Westeingang hat und man ihn nicht mit dem Auto durchqueren kann. Gut für die Natur. Bedingt gut für unsere Klettervorhaben, da wir am Osteingang sind und einige der Routen nur über den Westeingang erreichbar sind. Dieser wiederum ist mit dem Auto nur über einen mehrstündigen Umweg zu erreichen … Nun gut, dann klettern wir eben auf der Ostseite. Gesagt getan und so geht’s am ersten Nachmittag gleich rein in den Park und ran an den Fels. Auf dem Parkplatz treffen wir auf einen anderen Kletterer, der, wie sich rausstellt, ein Local ist, gerade eine Route erschlossen hat und von der Hitze noch völlig fertig ist. Nach ein paar Schluck Wasser wird er dann etwas gesprächiger und gibt uns noch einige Tipps zu den Pinnacles.

Diese sind unter den Kletterern bekannt für ihre schönen und unterschiedlich schweren Routen. Aber vor allem auch für den porösen Fels, der eigentlich nur aus einem Gemisch aus Lavagestein und „Dreck“ besteht, was bedeutet dass sich häufig Steine lösen. Ungünstig wenn man sich gerade daran festhält oder darauf steht. Gespannt wie sich der Stein auf unsere Kletterkünste auswirkt, probieren wir uns an der ersten Route und merken schnell was gemeint ist. Beim vorsichtigen Klopfen vor dem nächsten Handgriff hören wir ein hohles „Tock tock“. Bei anderen Felsen kommt es selten vor, dass sich der Fels hohl anhört und dann greift und tritt man besser nicht auf diese Stelle. In den Pinnacles ist das Standard und somit begnügen wir uns hier mit eher moderaten Routen, die bei dem Felsgestein und den teilweise eher sparsam gesetzten Bolts trotzdem noch sehr spannend sind – vor allem für Aron im Lead.

Neben dem Fels lernen wir am Abend auch gleich die tierischen Parkbewohner kennen: unendlich viele Stechmücken, Bremsen und Riesenfliegen, die gleich alle engen Kontakt mit uns suchen. Da stellt sich unsere Campingplatzwahl abends dann auch als doch nicht so clever heraus, da es vor allem untern den Bäumen und im Gebüsch von den Stechmücken nur so wimmelt. Dies muss vor allem Aron schmerzhaft erfahren, der beim Abendessen eher selbst gegessen wird. Bisschen anstrengend alles. Aber doch auch sehr schön … wie wir beim „Night Hike“ mit einem der Parkranger erleben.

Bei Einbruch der Dunkelheit treffen wir uns mit ihm und ca. 20 anderen Parkbesuchern und machen eine kleine Wanderung (eher Spaziergang) durch den Park bei Nacht. Der Ranger gibt Auskunft zu den unterschiedlichen Tieren im Park und deren Verhalten bei Nacht. Sehr nett gemacht und zudem informativ. So lernen wir z.B. dass Frösche nachts schlecht sehen und eine Reaktionszeit von mehreren Sekunden haben bis ein Signal – z.B. Licht – bei ihnen ankommt. Oder dass die Ohren von Eulen unterschiedlich hoch liegen (in der Regel das rechte Ohr höher als das linke) und sie daher durch Triangulation noch präziser Hören und Geräusche lokalisieren können. Jeden Tag ein bisschen schlauer.

Am nächsten Tag wandern wir zu den Sisters wo wir einige Routen klettern wollen. Der Zustieg ist toll. Es geht durch Höhlen und an einem Wasserreservoir vorbei und wir beginnen das Besondere dieses kleinen aber feinen Nationalparks zu schätzen. Die geplanten Routen sind leider von Klettergruppen besetzt und wir wandern weiter zum nächsten Klettersektor. Hier treffen wir auf ein älteres Kletterpaar aus San Francisco mit denen wir ein bisschen quatschen. Die beiden scheinen schon sehr viel Klettererfahrung über die Jahre gesammelt zu haben und wir sprechen über die schönen Klettergebiete der USA und erwähnen auch die „Snake Dike“-Route auf dem Half Dome im Yosemite, die wir schweren Herzens nicht gemacht haben. Sehr passend kommentiert der Senior-Kletterer dazu: „My friend always used to say: The rock will still be there next year, make sure you are, too.” Sehr weise und richtig, diese Einstellung. Zudem freut sich Carmen, als der Kletterer noch erwähnt, dass er schon mal in Stuttgart war und es ihn sehr an San Francisco erinnert hat. 😊

Abends suchen wir uns einen anderen Platz auf dem Campground (ohne Bäume und mit weniger Mücken) und genießen mal wieder ein leckeres Pastagericht mit erfrischender Weinschorle. Über uns kreisen riesige Condors und die Abendsonne scheint über die Pinnacles. Ach ist das schön!

Am dritten Tag geht’s dann nach einem early start (Wecker hat um 6:00 Uhr geklingelt) hoch auf die High Peaks. Der Zustieg ist etwas länger – aber bei der wunderschönen Morgenstimmung und keiner Menschenseele um uns herum ist das nicht schlimm. Oben angekommen haben wir eine tolle 360° Aussicht und klettern zuerst auf den „Photographers Delight“ – Felsen. Der Name ist Programm, wie ihr sehen könnt. Auch bemerkenswert ist ein Felsen der in Anlehnung an Harry Potters „The Unmentionable“ [„Der, dessen Name nicht genannt werden darf“] getauft wurde … seht selbst auf den Bildern. Beim Abstieg kreuzt noch eine Schlange unseren Weg (kurzer Schreck) und wir schauen nochmal beim Reservoir und den Sisters vorbei, um die noch offene Mehrseillänge dort zu klettern. Hier mal noch ein paar Bilder, wie man von sowas wieder runterkommt:

Am Gipfel der Route fädeln wir unser Seil am fest gebohrten Standplatz durch, bis zur Mitte. Dann hängen wir unsere Abseilgeräte ein und bereiten das Abseilen vor (die rötlichen Geräte in der Mitte der roten Bandschlingen auf dem ersten Bild). Dabei sind wir die ganze Zeit noch redundant am Standplatz gesichert (die roten Schlingen, die von unseren Gurten bis zum Zentralpunkt oben gehen). Dadurch, dass wir oben gemeinsam alles vorbereiten, haben wir das 4-Augen-Prinzip / Partner-Check und können überprüfen, ob wir irgendeinen Fehler gemacht haben. Danach hängt sich der Erste aus dem Zentralpunkt aus und seilt ab. In der Regel macht das der erfahrenere Kletterer, um auf dem Weg nach unten verkrangeltes Seil zu richten und den unteren Standplatz zu finden. Zudem kann man mit einer “Feuerwehrsicherung” (starkes ziehen am Seil) die Abseilfahrt des Zweiten stoppen, falls etwas schief gehen sollte. Im mittleren Bild ist Aron schon einige Meter abgeseilt und sucht von oben den nächsten Standplatz (letztes BIld). Wer sieht die Standplatzschlinge, die wir dort zurückgelassen hatten, um den Stand wieder einfacher zu finden? Dort angekommen, sichert sich der Erste wieder in den Standplatz, macht das Seil frei und hintersichert den zweiten. Dann zieht man das Seil ab, fädelt es wieder in den Standplatz ein und der Spaß beginnt von vorne.

Am Ende des Tages ging es dann zurück auf den Campground und nach einer erfrischenden Dusche verabschieden wir uns von den Pinnacles, die im Rückblick wirklich ein kleiner Geheimtipp sind. Unser Plan war ein kleines Stück nördlich zu fahren, um dann gen Westen auf den Costal Highway 1 zu kommen und diesen über Big Sur in den Süden Richtung Santa Barabara zu fahren. Wir haben ja schon so unsere Erfahrungen mit den Highways in Kalifornien gemacht und so stellen wir nach ca. einer Stunde Fahrt bei Carmel-by-the-Sea eher nüchtern fest, dass es mal wieder eine Road Closure gibt (wieder wegen Erdrutsch) und wir leider nicht am Meer Richtung Süden kommen. Also gut. Umgedreht und wieder zurück ins Landesinnere und dann auf der Interstate nach Süden. Schlafen bei Wally und am nächsten Tag ans Meer. Dort angekommen machen wir uns einen gemütlichen Chill- und Lesetag, das muss ja auch mal sein. Unsere Muskeln freuen sich nach den sehr aktiven Tagen.

Bis bald ihr Lieben!

 

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