Yosemite National Park

Mit der Eule zurück in Topform, frisch gewaschenen Klamotten und vollen Vorräten ging es für die nächsten Tage in einen der wohl beeindruckendsten Nationalparks der USA: den Yosemite National Park. Allerdings waren wir nach unserer Tour durch die Bay Area rund um San Francisco so verspätet durch Tanken, Einkaufen und den Feierabendverkehr, dass wir es an diesem Abend gar nicht mehr in den Park geschafft hatten. Also wollten wir bei einem KOA Campingplatz kurz vor dem Park übernachten. Nachdem wir dann allerdings feststellten, dass die Nacht für einen absoluten Minimalzeltplatz dort fast 50$ kostet, sind wir weitergefahren. Und zwar einen halben Kilometer die Straße runter, wo wir es uns auf einem beleuchteten Park & Ride Parkplatz für das Nationalpark-Shuttle bequem gemacht hatten und genau nichts bezahlt haben. Besser so. Tags darauf dann endlich wieder Natur und rein in den Park. Zuerst kümmerten wir uns auch dort um einen Campingplatz da wir keine Reservierung hatten und die Plätze in der Regel über ein halbes Jahr vorher ausgebucht sind. Es gibt allerdings immer eine kleine Reserve an „Zulaufplätzen“ und da hatten wir dann auch Glück. Allerdings erstmal nur für eine Nacht, da das Internet im Park abgestürzt war bzw. das Buchungssystem nicht funktionierte. Den Rest des Tages sind wir ein bisschen durch den Park spaziert und haben das gute Wetter genossen. Abends sind wir nochmal kurz zum Reservierungs-Office und hatten dann Glück, dass wir unseren Aufenthalt nochmal um vier Nächte verlängern konnten und das als zweite in der Schlange. Nach uns sind geschlagene 50 andere Leute kurz vor 17 Uhr am Office aufgetaucht, die auch alle einen Platz brauchten. Glück gehabt.

Da das Wetter am nächsten Tag eher durchwachsen war, haben wir uns nur die kleinen Yosemite-Fälle angeschaut und uns mal die Bibliothek angesehen – da es dort kostenloses WLAN gibt 🙂 Wir brauchten nämlich Informationen über eines unserer Hauptziele im Yosemite: Wir wollten die Route Snake Dike auf den Half Dome klettern. Das ist eine der schönsten moderaten Kletterrouten auf einen wirklich beeindruckenden Granitfelsen (der übrigens auch das Logo von „The North Face“ darstellen soll). Allerdings konnten wir schon vom Tal unten sehen, dass auf dem Felsen oben noch Schnee liegt. Und der Abstieg bei dieser Route ist die eigentliche Schlüsselstelle: Es gibt auf der Rückseite Stahlseile, über die im Sommer tausende Touristen den Berg hochsteigen können ohne selbst Klettererfahrung zu haben. Bei Snake Dike klettert man auf der gegenüberliegenden Seite hoch und klettert dann an diesen Stahlseilen wieder herunter. Wenn es dort oben noch Schnee liegt, kann es wohl sehr rutschig werden beim runtersteigen bzw. die Stahlseile überhaupt zu finden. Das Internet hatte nicht allzu viele Infos, daher entschieden wir uns am nächsten Tag für eine längere Wanderung um den Felsen auszukundschaften und nebenbei noch zwei weitere schöne Wasserfälle anzuschauen.

Tags darauf sind wir also den John Muir bzw. Mist Trail zu den Vernal Falls und den Nevada Falls gelaufen. Diese sehr steile, aber sehr schöne Wanderung haben wir dann noch um einige Meilen erweitert um den Half Dome noch etwas auszukundschaften und haben dann schon gesehen, dass es in den höheren Lagen doch noch relativ viel Schnee hatte … naja, abwarten war die Devise. Wir waren noch unentschlossen, ob wir uns an die Route wagen sollten.

Tags darauf waren wir von der knapp 20km langen Wanderung eher für etwas Gemütlicheres eingestellt und haben uns das Museum im Visitor Center und zwei Info-Filme dort angesehen. Danach sind wir noch im Park rumgefahren und haben mit dem Fernglas den Seilschaften am El Capitan zugeschaut. Sehr beeindruckend und inspirierend wenn man diese winzigen Punkte sieht, die sich in einer fast 1000 Meter hohen, senkrechten Granitwand Meter für Meter hochkämpfen. Brutal. Abends gab es noch eine weitere Kino-Vorstellung: Ein Kletter- und Naturfilm von Ron Kauk. Einer der besten Kletterer der 70/80er Jahre und der Vater der legendären Boulderroute Midnight Lightning im Camp 4 – dem „Hippie-Zeltplatz“ der ganzen Yosemite-Kletterer. An dieser Stelle mal kurz der Hinweis auf Valley Uprising. Ein super interessanter Film über die Klettergeschichte der USA im Yosemite, auch sehr sehenswert für Nicht-Kletterer.

Abends haben wir dann noch eine Mail von einer Kletterin bekommen, die vor einigen Tage Snake Dike geklettert ist (konnten wir über Mountainproject rausfinden) und uns einen Bericht über die Verhältnisse geben konnte. Kurzfassung: Schmelzender Schnee in der Route, Schnee auf dem Gipfel, Stahlseile vereist und sehr rutschig, Abstieg bis zum richtigen Pfad für die Rückwanderung auch noch viel Schnee und verschlammt. Dazu der Hinweis, dass sie glücklicherweise mit einem sehr viel erfahrenen Partner unterwegs war, da sie sehr weit außerhalb ihrer Komfortzone unterwegs war. Damit haben wir für uns dann beschlossen das Thema Snake Dike erst einmal zu verschieben. Schade, aber bevor wir den Weg per Heli zurück ins Tal finden, haben wir es dann doch lieber gelassen.

Jedoch wollten wir den Granit des Yosemites nicht unbeklettert hinter uns lassen und konnten dann doch noch ein paar Seillängen am darauffolgenden Tag reinholen. Hierbei kletterten wir unsere erste TradMehrseillänge, die ziemlich moderat war und schöne Standplätze an Bäumen hatte. Die Route lag zudem noch in der Sonne, weshalb es ein sehr schöner Tag am Fels war. Abends waren wir dann wieder am Fuße des El Capitan und haben mit unserem Fernglas bewundernd den leuchtenden Stirnlampen in der Wand beobachtet. Auch wenn der Rekord für die Besteigung der Nose zwar nur wenige Stunden sind, dauert diese Unternehmung für Normalsterbliche in der Regel vier Tage. Das bedeutet, dass die Nächte in der Wand verbracht werden und so sieht man mit Einbruch eine Stirnlampe nach der anderen angehen. Nochmal: Faszinierend und inspirierend.

Da wir gesehen hatten, dass zwei Seilschaften nur noch wenige Seillängen unter dem Ausstieg zum Gipfel waren, spielten wir ernsthaft mit dem Gedanken am nächsten Morgen den Wanderweg zum Gipfel zu nehmen und den Kletterern mit ein paar gekühlten Bierchen den Gipfeltriumph noch zu versüßen. Allerdings war der Egoismus dann doch stärker als Altruismus (und wir wären wohl zu spät dran gewesen für die Seilschaften die gerade kurz vor dem Ausstieg waren) – so haben wir für uns nochmal eine längere Wanderung zu den Upper Yosemite Falls und den Yosemite Point gemacht. Von hier aus hatte man nochmal eine gigantische Aussicht auf diesen wunderbaren National Park.

Als würdigen Abschluss haben wir dann nochmal am Fuße des El Capitan an einem schönen Picknick-Platz etwas gekocht und gegessen und uns dann so langsam aber sicher auf den Weg in Richtung Sequoia National Park gemacht. Wir kommen bestimmt wieder 😊

Bis zum nächsten Mal!

3 Gedanken zu „Yosemite National Park

  1. Bundestrainer sagt:

    Schöne Bilder und schönes Wetter! Natur pur!
    Die gesamte Mannschaft wünscht Euch noch einen schönen 1. Mai und alles Gute!

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